Schiffertradition

Mit der Entwicklung von Handwerk, Handel und Verkehr im 16. und 17. Jahrhundert wurden die natürlichen Wasserstraßen in der Mark Brandenburg für den Transport der Waren wichtige Verkehrsträger. 1699 erließ der Kurfürst Friedrich III. ein Reglement für die Schifffahrt auf Elbe, Havel und Oder. Zur Wahrung der Interessen der Schiffer, des Brauchtums und der Tradition entstanden Gilden und Vereine. 1716 bestätigte König Friedrich Wilhelm I. den Gildenbrief für die „Churmärkische Schiffergilde”. 1763 wurden Zehdenicker Schiffsbauer in die Potsdamer Schiffbauinnung aufgenommen. In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch die Gründung einer Zehdenicker Schifferinnung. Verbürgt ist, dass es im Jahr 1829 in der Zehdenicker Innung der Schiffer zur Gründung einer Sterbe- und Unterstützungskasse kam. Das Jahr 1829 ist gleichzeitig das Gründungsjahr des Schiffervereins Zehdenick, der im Jahr 2009 sein 180 jähriges Jubiläum begeht. Er ist somit einer der ältesten Schiffervereine Deutschlands. 1901 wurde der Zehdenicker Schifferverein als reine Berufsorganisation geschaffen. 1932, zum Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, waren etwa 500 Schiffer mit ihren 290 Lastkähnen arbeitslos. Dem Nationalsozialismus bot der Zehdenicker Schifferverein die Stirn und verweigerte die Gefolgschaft, damit musste es zur Auflösung kommen.


Die alte traditionelle berufsständische Vereinigung wurde zerschlagen und der Schifferverein "Einigkeit" ausschließlich zur Pflege der Geselligkeit unter staatlicher Zwangsaufsicht gegründet. Der Krieg riss große Lücken in die Zehdenicker Schiffergemeinde, Schiffe waren zerstört oder mussten als Reparationszahlungen abgeliefert werden. Der eigentliche Niedergang des Schiffergewerkes in der Zehdenicker Region begann 1945. Nach der Gründung der DDR wurde die private Frachtschifffahrt durch tiefgreifende staatliche Maßnahmen immer mehr zurückgedrängt. So kam es zum Monopol der staatlichen „Deutschen Binnenreederei”. Die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 brachte die Abschaffung der staatlich gelenkten und die Wiedereinführung der Privatwirtschaft. Zurzeit sind im Brandenburgischen Schifferregister noch 34 Schiffe mit dem Heimathafen Zehdenick registriert. Der Schifferverein hat sich tapfer durch alle schwierigen Zeiten hindurch geschlagen, seine Mitglieder zeigten dabei viel Zivilcourage. 1991 erfolgte die Neugründung des Schiffervereins von Zehdenick unter dem Namen „Einigkeit”.

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